Gestern war es soweit – Il Palio!!!
Zurück von Elba waren wir schon mittendrin in den Vorbereitungen! Die Contraden sind schon seit ein paar Tagen tagsüber trommelnder weise und nachts singend durch die Straßen gezogen (wir werden von Nacht zu Nacht lärmresistenter
). Dienstagabend dann gab es die Generalprobe – prova finale. Wir sind gegen 7 Uhr zum Campo gegangen und es war fast so voll wie beim Palio selbst! Auf der Tribüne vor dem Palazzo Pubblico saßen Kinder der Contraden und haben fleißig angefeuert – selbstverständlich alle in ihren Contradenfarben angezogen und mit Fahnen in der Hand. Aber das war ja nur da Proberennen…
Mittwoch, 2. Juli 2008. Il Palio. Der große Tag. Wichtige Vorbereitung: alle Contraden hatten ein großen Festessen am Vorabend und die Rennpferde wurden in der Contraden-Kirche geweiht!
Wir haben uns gegen 4 Uhr mit einer Italienerin getroffen, die zur Contrade der Raupe gehört, contrada del bruco, und haben mit ihr und ihren Freunden (selbstverständlich alle aus der selben Contrade) den historischen Umzug, passaggio storico, gesehen, bei dem alle Contraden in mittelalterlichen Kostümen durch die in Richtung Campo ziehen.
Nach einem kurzen Stop zu Hause (wie gut, dass wir mitten in der Stadt wohnen!!) sind wir gegen 6 Uhr zum Campo gegangen, durch den letzten offenen Zugang in der Contrade der Welle, contrada dell’onda. Während dem Rennen befinden sich bis zu 70000 Personen auf dem Campo – mehr als die gesamte Bevölkerung Sienas!!
Endlos warten, den Umzug um den Campo weiter ansehen, warten… halb acht und endlich kommen die Pferde! Als die Reihenfolge der Pferde an der Startlinie aufgerufen wurde, herrschte eine Totenstille auf dem Campo, gefolgt von Jubel der Contraden, wenn ihr Pferd aufgerufen wurde.
Ein Knall – Fehlstart… Noch mehr warten…
Auf einmal geht es los. Ohne Startzeichen. Einfach so. Wie kann das sein??? Ein Pferd und Reiter stehen nicht in der Reihe mit den anderen, sondern warten dahinter. Sobald diese beiden losreiten, es war dieses mal die Contrade des Adlers, contrada dell’aquila, und über die Startlinie treten, beginnt das Rennen und alle anderen dürfen losreiten. Angeblich verhandeln die Jockeys vor dem Start und geben sich vor dem Start zeichen, wann es losgeht… Scheinbar hat das Stachelschwein dem Adler einen gutes Angebot gemacht
Unpraktisch war nur, dass wir mitten in der Gruppe der contrada del istrice (Stachelschwein) standen. Beim Start wurden wir fast umgerannt von übereifrigen Sienesen, die den Reiter anfeuern mussten – nach den 3 Runden Rennen stürmten dann alle Mitglieder der Contrade zu ihrem Pferd und Reiter – alle Leute um uns rannten zum Ziel und wir waren genau dazwischen…
Abends wurde dann noch eifrig getrommelt – das darf die Siegercontrade jetzt 2 Monate lang machen! Gut, dass unsere Contrade nur 2ter geworden ist
Ab jetzt wird die Siegercontrade also wochenlang feiern und beim großen Festessen im September ist das Pferd dann auch Ehrengast. Ganz besonders wird das Pferd gefeiert, wenn es ohne Reiter schafft, den Sieg für die Contrade zu holen, auch das ist schon vorgekommen!